Benzin und Diesel zu Hause lagern und die tatsächlichen Kosten berechnen
Benzin und Diesel zu Hause zu lagern, erscheint bei niedrigen Tankstellenpreisen als einfache Sparmöglichkeit. Ob daraus tatsächlich eine Ersparnis wird, hängt allerdings von den Kosten für Kanister, zusätzlichen Fahrten und möglichen Restmengen ab. Hinzu kommen rechtliche Grenzen. In Deutschland richtet sich die zulässige Lagerung unter anderem nach dem Bundesland, dem Gebäude und dem vorgesehenen Raum. Wenn du Kraftstoff auf Vorrat kaufen möchtest, solltest du deshalb zuerst den Lagerort prüfen und danach rechnen. Ein Preisvorteil von wenigen Cent je Liter reicht oft nicht aus, um eigens angeschaffte Behälter und zusätzliche Fahrten zu bezahlen.
Wann lohnt es sich, Benzin und Diesel zu Hause zu lagern?
Entscheidend ist nicht allein der niedrige Preis auf der Anzeigetafel, sondern die Differenz zum späteren Einkaufspreis. Kostet Benzin beim Vorratskauf beispielsweise 1,68 Euro und beim späteren Tanken 1,80 Euro je Liter, beträgt der rechnerische Vorteil 12 Cent. Bei 20 Litern sind das 2,40 Euro. Davon gehen alle zusätzlichen Ausgaben ab. Der spätere Preis steht beim Kauf jedoch noch gar nicht fest. Sinkt er auf 1,62 Euro, war der Vorrat sogar teurer als ein späterer Einkauf.
Ein kleiner Vorrat lässt sich wirtschaftlich eher begründen, wenn geeignete Kanister bereits vorhanden sind und du den Kraftstoff zeitnah verbrauchst. Als reine Wette auf steigende Preise bringen kleine Lagermengen dagegen wenig. Selbst deutlich wirkende Preisunterschiede ergeben bei wenigen Litern nur überschaubare Eurobeträge.
Welche Mengen in der Garage erlaubt sein können
Für private Garagen sind die Garagenvorschriften des jeweiligen Bundeslandes maßgeblich. Viele Landesregelungen erlauben in Kleingaragen mit bis zu 100 Quadratmetern Nutzfläche außerhalb der Fahrzeugtanks höchstens 20 Liter Benzin und 200 Liter Diesel. Daraus lässt sich jedoch keine bundesweit geltende Erlaubnis ableiten. Die konkrete Landesvorschrift, die bauliche Situation und weitere Vorgaben müssen die Lagerung zulassen. Häufig ist eine Aufbewahrung in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern vorgeschrieben.
Genau hinsehen solltest du bei gemeinsam genutzten Garagen. Ein einzelner Stellplatz in einer größeren Tiefgarage wird nicht dadurch zur Kleingarage, dass seine Fläche unter 100 Quadratmetern liegt. Für die Einordnung zählt die Garage als Ganzes. Auch Mietvertrag, Hausordnung oder Garagenordnung können zusätzliche Einschränkungen enthalten. Bevor du größere Mengen kaufst, ist eine Auskunft der zuständigen Bauaufsicht sinnvoll.
Keller und Wohnung sind keine Ersatzgarage
Die für Garagen genannten Mengen lassen sich nicht auf Keller, Abstellkammern oder Wohnräume übertragen. Dort gelten andere brandschutzrechtliche Anforderungen. Bei Kellern können sich zulässige Mengen zudem auf einen gesamten Kellerbereich beziehen, nicht auf jedes einzelne Abteil. Wer die Garagenregel auf seinen Kellerverschlag überträgt, geht deshalb womöglich von falschen Voraussetzungen aus. Eine verschlossene Kellertür macht den Raum noch nicht zu einem zulässigen Kraftstofflager.
In Wohnräumen solltest du keinen Kraftstoffvorrat anlegen. Treppenräume und Fluchtwege kommen als Lagerorte ebenfalls nicht infrage. Auch ein Gartenhaus ist nicht automatisch zulässig, nur weil es vom Wohnhaus getrennt steht. Für die Kostenrechnung heißt das: Fehlt ein geeigneter und erlaubter Lagerplatz, scheidet der Vorratskauf aus. Ein eigens angeschaffter Schrank ersetzt weder die erforderlichen baulichen Voraussetzungen noch eine notwendige Erlaubnis. Die Frage „wie viel Benzin man lagern darf
“ gehört deshalb vor jede Kostenrechnung.
Kanisterkosten können den Preisvorteil aufzehren
Für Benzin und Diesel brauchst du Behälter, die ausdrücklich für den jeweiligen Kraftstoff geeignet sind. Getränkeflaschen, ausgediente Reinigungsmittelbehälter oder beliebige Kunststoffkanister sind kein Ersatz. Achte auf die angegebene Eignung, einen intakten Verschluss und die Herstellervorgaben. Prüfe auch, ob ältere Behälter noch verwendet werden können. Kanister mit beschädigten Dichtungen oder Verformungen solltest du nicht mehr für deinen Vorrat einplanen. Beim Befüllen und beim Transport sind zusätzlich die dafür geltenden Anforderungen zu beachten. Notstromaggregate
benötigen je nach Motortyp Benzin oder Diesel, weshalb du auch bei einem Vorrat für die Notstromversorgung die Kraftstoffsorte eindeutig zuordnen solltest.
Wie stark die Anschaffung ins Gewicht fällt, zeigt eine Beispielrechnung: Kostet ein geeigneter Kanister 20 Euro und sparst du mit jeder Füllung von 20 Litern jeweils 2,40 Euro, ist sein Kaufpreis rechnerisch erst nach neun solchen Füllungen ausgeglichen. Zusätzliche Fahrtkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt. Außerdem geht die Rechnung nur auf, wenn der angenommene Preisvorteil bei jedem Einkauf tatsächlich entsteht.
Zusätzliche Tankfahrten richtig einrechnen
Eine gesonderte Fahrt zur günstigeren Tankstelle kann eine kleine Ersparnis vollständig aufzehren. Angenommen, der zusätzliche Weg beträgt insgesamt zehn Kilometer und dein Auto benötigt sieben Liter auf 100 Kilometer. Dann verbrauchst du dafür rechnerisch 0,7 Liter. Bei einem Kraftstoffpreis von 1,75 Euro kostet das allein rund 1,23 Euro. Verschleiß und dein Zeitaufwand sind in diesem Betrag noch nicht enthalten.
Kaufst du auf dieser Fahrt 20 Liter mit einem Preisvorteil von 6 Cent je Liter, sparst du beim Einkauf lediglich 1,20 Euro. Schon die Kosten für den zusätzlichen Kraftstoffverbrauch liegen knapp darüber. Anders fällt die Rechnung aus, wenn die Tankstelle ohnehin auf deinem üblichen Arbeitsweg liegt und kein Umweg entsteht. Vergleiche deshalb die gesamten Zusatzkosten mit der Ersparnis bei der tatsächlich eingekauften Menge.
Lagerdauer und Fahrzeugfreigabe begrenzen den Vorrat
Kraftstoff ist nicht unbegrenzt haltbar. Wie lange er verwendbar bleibt, hängt unter anderem von seiner Zusammensetzung, der Temperatur, dem Behälter und den Lagerbedingungen ab. Eine pauschale Haltbarkeitsangabe von mehreren Jahren wäre deshalb unzuverlässig. Bei Benzin können sich durch Alterung die Eigenschaften verändern. Auch Diesel kann durch Alterung und Verunreinigungen unbrauchbar werden. Ein vermeintliches Schnäppchen verliert seinen Wert, wenn du den Inhalt später nicht mehr verwenden kannst.
Beschrifte den Behälter eindeutig mit Kraftstoffsorte und Kaufdatum. Plane nur Mengen ein, die du in absehbarer Zeit verbrauchst, und beachte die Freigaben deines Fahrzeugs oder Geräts. Sommerdiesel ist nicht automatisch für winterliche Temperaturen geeignet. Lass bei zweifelhaftem oder verunreinigtem Kraftstoff fachlich klären, ob er noch verwendet werden kann. Einige Euro Einkaufsvorteil rechtfertigen es nicht, mögliche Reparaturkosten zu riskieren.
Versicherung und Mietvertrag vor dem Einkauf prüfen
Eine öffentlich-rechtlich zulässige Lagermenge bedeutet nicht, dass damit auch alle vertraglichen Fragen geklärt sind. Im Mietvertrag oder in der Garagenordnung können Einschränkungen zur Lagerung brennbarer Stoffe stehen. Bei einer Eigentumswohnung sind gegebenenfalls zusätzlich die Regelungen der Eigentümergemeinschaft zu beachten. Prüfe diese Vorgaben vor dem Einkauf. Entsteht erst danach ein Streit über den Lagerort, musst du den Vorrat unter Umständen kurzfristig entfernen.
Auch der Versicherungsschutz lässt sich nicht pauschal beurteilen. Welche Folgen eine Kraftstofflagerung im Schadenfall hat, hängt unter anderem vom Vertrag, möglichen Pflichtverletzungen und dem konkreten Schadenhergang ab. Frage beim Versicherer nach und nenne dabei Kraftstoffart, Menge, Behälter und Lagerort möglichst genau. Eine schriftliche Auskunft hält die Antwort nachvollziehbar fest. Sie ersetzt allerdings weder die geltenden Vorschriften noch eine Zustimmung, die für die Nutzung des Lagerorts erforderlich sein kann.
Restmengen und Entsorgung gehören zur Kalkulation
Ein Vorrat kann auch dann Kosten verursachen, wenn sich die geplante Verwendung ändert. Nach einem Fahrzeugwechsel brauchst du vielleicht eine andere Kraftstoffsorte. Auch nach dem Verkauf eines Gartengeräts bleibt womöglich ein gefüllter Kanister zurück. Berücksichtige deshalb neben Einkauf und Verbrauch mögliche Restmengen. Je größer der Vorrat im Verhältnis zu deinem regelmäßigen Bedarf ausfällt, desto eher kann Kraftstoff übrig bleiben.
Unbrauchbarer Kraftstoff darf weder in den Ausguss noch in den Boden oder den Hausmüll gelangen. Erkundige dich bei der örtlichen Abfallberatung nach einer geeigneten Annahmestelle, den zulässigen Abgabemengen und möglichen Gebühren. Die Bedingungen können sich je nach Ort unterscheiden. In deine Kostenrechnung gehören dann gegebenenfalls die Annahmegebühr, die Fahrt zur Sammelstelle und der verlorene Einkaufspreis. Bereits fünf nicht mehr nutzbare Liter können mehrere zuvor erzielte kleine Preisvorteile wieder aufzehren.